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Dr. Jeanette Moosbrugger

Soziologin

Burnout: Einzelschicksal oder Gesellschaftsphänomen?

In Europa fühlen sich heute mehr als
60% der Berufstätigen durch ihre Arbeitstätigkeit gesundheitlich beeinträchtigt. Angeführt wird diese Entwicklung von psychischen Beschwerdebildern.

Laut Ärztekammer leiden allein in Österreich rund 500.000 Menschen unter Burnout; 1,1 Mio. gelten als gefährdet.

Soziologisch bedeutsam ist dies deshalb, weil sich hier eine chronische Überforderung auf breiter Basis abzeichnet.

Ausgangspunkt für meinen Arbeitsschwerpunkt ist die Kritik der psychologisch dominierten Burnoutforschung an ihrem eigenen Erkenntnisstand. Die Rede ist vom „gesellschaftstheoretischen Vakuum“ (Rösing 2003).

Erklärungsmodell: „Freiwillige Selbstausbeutung“

Mein theoretisches Interesse gilt der „Soziologie des Burnout“, mein empirisches den Hochqualifizierten.
Ob Manager, Architekt, Ingenieur oder Unternehmensberater: Sie alle
leisten „Wissensarbeit“, sind höchst verausgabungsbereit, qualifizierungs-
freudig und gehen beständig an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit.

Welche Logik verbirgt sich hinter dieser Dynamik, die nachweislich am Beginn einer Burnout-Karriere steht? Antworten liefern arbeitssoziologische und strukturdynamische Theoriemodelle: Der „genetische Code“ freiwilliger Selbstausbeutung erschließt sich über biologisch bedingte Mechanismen, rationale Nutzenerwartungen und soziale Zwangsmuster (Moosbrugger 2008).

   

Wissenstransfer: Arbeits- und Diskussionsgruppen

Sucht man die Schuld am Ausbrennen bei sich selbst, kann man therapeutische Hilfe in Anspruch nehmen oder – in letzter Konsequenz – den Job wechseln. Geht man aber davon aus, dass ein Burnout mehr aussagt über die Arbeitsbedingungen als über die Betroffenen selbst, ist der Maßnahmenkatalog weitaus komplexer.

In meiner Arbeits- und Diskussionsgruppe lernen Sie die Phasen eines Burnouts kennen, identifizieren stressrelevante Arbeitsmerkmale, Sie beginnen zu unterscheiden, welche Merkmale von Ihnen beeinflussbar sind bzw. welche der Arbeit selbst innewohnen und daher akzeptiert werden müssen, und Sie machen die Erfahrung, was ein soziales Unterstützungssystem leisten kann.